Ratgeber · Markt
Das Auto wird zum Computer auf Rädern.
Früher entschied der Motor über ein gutes Auto. Heute entscheidet zunehmend die Software, und dort liegen ganz andere Hersteller vorne als die, die wir kennen.
Das Ranking: Wer ist digital vorne?
Das Analysehaus Gartner bewertet jedes Jahr, wie gut Autohersteller für die digitale Zukunft aufgestellt sind. Für den Digital Automaker Index 2026 wurden 24 Hersteller anhand von über 15.000 Datenpunkten untersucht, sowohl die Technik im Auto als auch die Organisation dahinter, etwa Führung, Kultur und Talente.
Auswahl der veröffentlichten Plätze, Flagge = Firmensitz (Stellantis: Niederlande). Türkis: seit der Gründung software- bzw. elektro-orientierte Hersteller, grau: klassische Konzerne.
Das Auffällige: Auf den vorderen Plätzen steht kein klassischer Autokonzern. Mercedes-Benz ist als bester Europäer auf Platz 11, BMW auf 14 und Volkswagen auf 16. Tesla führt mit großem Abstand, dahinter folgen vier chinesische Hersteller.
Wichtig zur Einordnung: Ein niedriger Platz heißt nicht, dass ein einzelnes Auto schlechter ist. Der Index misst vor allem, wie breit moderne Software- und KI-Technik in der gesamten Modellpalette und in der Organisation steckt, nicht, ob ein einzelnes Vorzeigemodell gut ist.
Was ist ein „Software Defined Vehicle“?
Ein softwaredefiniertes Auto (SDV) ist von Grund auf so gebaut, dass Software seine Funktionen bestimmt, nicht nur Navi und Apps, sondern auch Antrieb, Fahrwerk und Assistenzsysteme. Vier Merkmale machen den Unterschied:
- Zentrale Architektur: Statt sehr vieler kleiner Steuergeräte steuern wenige leistungsstarke Rechner das ganze Auto. Das spart Kabel, Bauteile und Abstimmung.
- Updates über das Internet (Over-the-Air): Neue Funktionen und Verbesserungen kommen wie beim Handy, auch für Antrieb und Fahrwerk, ohne Werkstattbesuch.
- Hardware und Software getrennt: Die Software wird weiterentwickelt, auch nachdem das Auto längst gebaut ist.
- Wiederverwendbare Funktionen: Dieselbe Software läuft über viele Modelle hinweg, statt für jedes Modell neu entwickelt zu werden.
Warum das so viel ausmacht
- Kosten: Weniger Bauteile und weniger Abstimmung mit Zulieferern.
- Tempo: Neue Hersteller entwickeln Autos deutlich schneller, weil die Hardware-Integration einfacher ist.
- Anpassung: Ein Basisauto lässt sich per Software günstig an verschiedene Märkte anpassen.
Drei Wellen, die aufeinander aufbauen
1. Akku und Elektroantrieb. Der komplizierte Verbrennungsmotor war lange ein Schutzwall für etablierte Hersteller. Das E-Auto hat diesen Schutz geschwächt und neuen Herstellern den Einstieg ermöglicht.
2. Software. Sie verlangt eine ganz andere Arbeitsweise, kurze Entwicklungszyklen, eigene Software-Teams, ständige Updates. Klassische Konzerne bringen gerade ihre ersten softwaredefinierten Modelle auf den Markt; Mercedes mit dem CLA, BMW mit der „Neuen Klasse“.
3. Künstliche Intelligenz und autonomes Fahren. Sie setzt eine starke Softwareplattform voraus. Wer bei Welle 2 hinten liegt, startet hier mit Rückstand. Mehr dazu auf der Seite KI und autonomes Fahren.
Partnerschaften: Alt trifft Neu
Viele etablierte Hersteller holen sich das fehlende Software-Know-how über Partner. Bekannte Beispiele sind die Beteiligung von Volkswagen an XPeng, das Software-Gemeinschaftsunternehmen von Volkswagen und Rivian sowie die Partnerschaft von Stellantis mit Leapmotor. Branchenbeobachter sehen darin eine Chance, aber auch ein Risiko: Wer Kerntechnologie zukauft statt selbst zu entwickeln, lernt weniger dazu.
Was heißt das für euch als Käufer?
- Länger aktuell: Autos mit regelmäßigen Updates bekommen neue Funktionen und bleiben länger auf dem Stand der Technik. Fragt beim Kauf, wie lange Updates zugesagt sind.
- Weniger Werkstatt: Viele Fehler lassen sich per Update beheben, E-Autos brauchen zudem weniger Wartung.
- Achtung Abos: Manche Funktionen sind bereits eingebaut, werden aber nur gegen Gebühr freigeschaltet. Rechnet diese Kosten mit ein.
- Daten: Vernetzte Autos sammeln viele Daten. Prüft die Datenschutzeinstellungen.
- Neue Marken ernst nehmen: Der Wettbewerb durch neue Hersteller drückt die Preise, nutzt das bei Verhandlungen und im Vergleich.
Einige Branchenexperten sehen die Ursache für den Rückstand europäischer Hersteller weniger in der Technik als in der Unternehmenskultur: Wer lange mit Hardware erfolgreich war, tut sich schwer, wie ein Software-Unternehmen zu arbeiten. Das ist eine Einschätzung, keine gesicherte Tatsache, aber sie erklärt, warum Geld allein den Abstand nicht schließt.
Chinesische Hersteller im Kostenvergleich Alle neuen Marken vergleichen
Im Vergleich findet ihr alle Hersteller aus dem Ranking, die in Österreich offiziell verkauft werden, darunter Tesla, Nio, XPeng und BMW. Xiaomi und Li Auto haben wir nicht gefunden.
Quellen: Gartner Digital Automaker Index 2026, berichtet von ecomento, automotiveIT, eletric-vehicles.com und German Autopreneur (Philipp Raasch). Gartner ist eine eingetragene Marke von Gartner, Inc.; klarfahren steht in keiner Verbindung zu Gartner. Stand: Oktober 2026.